Eurodance der 90er Jahre – Die besten Hits des Jahrzehnts zum Tanzen

Menschen feiern in einem Club
Feiernde Menschen (Bild von StockSnap auf Pixabay)

Nach dem Fall der Berliner Mauer machte sich in Deutschland Anfang der 90er Jahre eine ausgelassene Stimmung breit. Der neue Sound des Eurodance verstärkte dann noch die Lust zu feiern. Die Musik lief im Radio rauf und runter. In den Discos zog sie die Leute auf die Tanzfläche. Songs wie „Rhythm Is A Dancer“ von Snap! oder „What Is Love?“ von Haddaway eroberten die Charts. Doch welche erfolgreichen Lieder gibt es sonst noch?

In diesem Beitrag erfährst du die besten Hits und die besonderen Merkmale des Genres. Hinzu kommen interessante Infos zu einigen Titeln.

 

Playlist mit 33 Eurodance Songs der 90er

Zu Beginn des Jahrzehnts mischten Künstler die Musikrichtungen Disco, House und Hip-Hop zu tanzbaren Liedern. Ein Beispiel dafür ist gleich der erste Song „Mary Had A Little Boy“ der deutschen Gruppe Snap! Der Text beruht auf einem englischen Kinderlied aus dem 19. Jahrhundert, den die Band in einen unwiderstehlichen Dance-Track verwandelte.

  1. Snap! - Mary Had A Little Boy (1990), 121 BPM
  2. DJ BoBo - Somebody Dance With Me (1992), 128 BPM
  3. Army of Lovers - Ride the Bullet (1992), 119 BPM
  4. Double You - Please Don't Go (1992), 120 BPM
  5. Haddaway - What Is Love (1992), 124 BPM
  6. Captain Hollywood Project - More and more (1992), 126 BPM
  7. Snap! - Rhythm Is A Dancer (1992), 124 BPM
  8. Dr. Alban - It's My Life (1992), 129 BPM
  9. Double You - We All Need Love (1992), 122 BPM
  10. Twenty 4 Seven - Slave To The Music (1993), 131 BPM
  11. 2 Unlimited - Tribal Dance (1993), 130 BPM
  12. Corona - The Rhythm Of The Night (1993), 128 BPM
  13. Cut 'N' Move - Give It Up (1993), 120 BPM
  14. Haddaway - Life (Radio Edit) (1993), 128 BPM
  15. Urban Cookie Collective - The Key: The Secret (1993), 130 BPM
  16. Culture Beat - Mr. Vain (1993), 133 BPM
  17. Maxx - Get-A-Way (Airplay Mix) (1993), 133 BPM
  18. Real McCoy - Another Night (1994), 126 BPM
  19. Dr. Alban - Look Who's Talking (1994), 133 BPM
  20. Whigfield - Saturday Night (1994), 130 BPM
  21. Cappella - Move On Baby (Radio Edit) (1994), 133 BPM
  22. Everything But The Girl - Missing [Todd Terry Remix] (1994), 123 BPM
  23. Rednex - Cotton Eye Joe (1994), 132 BPM
  24. La Bouche - Be My Lover (1995), 135 BPM
  25. X-Perience - A Neverending Dream (1996), 128 BPM
  26. Gala - Freed from Desire (1996), 129 BPM
  27. Aqua - Barbie Girl (1997), 130 BPM
  28. Eiffel 65 - Move Your Body (1999), 130 BPM
  29. French Affair - My Heart Goes Boom (1999), 130 BPM
  30. Eiffel 65 - Blue (Da Ba Dee) (1999), 128 BPM
  31. Anne Lee - 2 Times (1999), 130 BPM
  32. Prezioso feat. Marvin - Tell Me Why (1999), 132 BPM
  33. Real McCoy - It's On You (1999), 119 BPM

 

Die Eurodance Hits auf dem Spotify Player

Wie klingen die Lieder? Mit dem Player kannst du sie dir anhören. Die Titel haben dieselbe Reihenfolge wie in der Liste.

Spotify Player, Eurodance der 90er Jahre

 

Welche besonderen Merkmale hat Eurodance?

Kurioserweise kam die Bezeichnung „Eurodance“ erst auf, als die Musikrichtung Ende der 90er Jahre wieder von der Bildfläche verschwand. Damals brachten Plattenfirmen Kompilationen heraus, bei denen sie erstmals den Begriff verwendeten. Als sich das Genre Anfang der 90er Jahre in Europa ausbreitete, bezeichnete man es zunächst als „Dancefloor“.

Die Produzenten kamen vorwiegend aus Deutschland, Italien, Schweden und den Niederlanden. Als Interpreten engagierten sie gewöhnlich US-amerikanische Sänger(innen) und Rapper.

Der Song „Rhythm Is a Dancer“ der deutschen Formation Snap! gilt als Vorbild für einen erfolgreichen Eurodance-Track. Als der Titel 1992 auf Platz eins der Charts schoss, ahmten andere Produzenten das Erfolgsrezept nach. Es bestand aus dem Wechselspiel einer weiblichen Gesangsstimme beim Gesang des Refrains mit einem männlichen Sprechgesang der Strophen. Die englischen Texte handeln von optimistisch stimmenden Themen wie Liebe, Musik und Feiern. Wohlklingende Synthesizer-Melodien und bassbetonte Beats begleiten den Gesang.

Es gibt aber auch Lieder ohne Sprechgesang. Ein Beispiel ist der Song „Please Don‘t Go“ der Gruppe Double You.

 

Infos zu ausgewählten Eurodance Songs

Titel wie „It‘s my Life“, „What is love“ oder „More and more“ prägten die Musik der 90er Jahre. Viele gelten als Dauerbrenner, weil sie immer noch sehr beliebt sind. Wer ist der erfolgreichste Eurodance-Künstler? Dies ist zweifelsfrei DJ Bobo, der in dem Jahrzehnt für insgesamt sieben Singles eine Gold-Auszeichnung erhielt.

Es gibt aber auch Interpreten, die nur einen einzigen großen Hit hatten und deswegen in die Musikgeschichte als One-Hit-Wonder der 90er eingehen. So konnte die dänische Sängerin Whigfield nach dem Erfolgssong "Saturday Night" keine weiteren Tophits landen.

Ein paar bemerkenswerte Lieder schauen wir uns mal näher an. Den Anfang macht DJ Bobo mit „Somebody Dance With Me“.

 

DJ BoBo - Somebody Dance With Me (1992), 128 BPM

Eigentlich wollte der Schweizer René Baumann Bäcker und Konditor werden. Doch schon als Auszubildender dieses Handwerks spürte er einen Hang zur elektronischen Tanzmusik. Er arbeitete nebenbei als DJ unter dem Künstlernamen DJ Bobo in einigen schweizerischen Nachtclubs. Dann stellte er fest, dass in ihm das Talent eines Dance-Music-Produzenten steckte.

Ab 1989 brachte er einige Singles heraus, die allerdings wenig erfolgreich waren. Doch 1992 gelang ihm mit "Somebody Dance with Me" der erste große Wurf.

Die Melodie übernahm von dem Titel "Somebody's Watching Me" des Sängers Rockwell. Der Song, in dem sich Baumanns Sprechgesang (Rap) mit dem eingängigen Refrain der Sängerin Emel Aykanat abwechseln, traf den musikalischen Geschmack vieler Menschen. Er kletterte in Portugal, Schweden und der Schweiz auf Platz eins der Charts. In weiteren europäischen Ländern landete er in den Top 10. In den folgenden Jahren nimmt DJ Bobos Karriere richtig Fahrt auf. Zwischen 1992 und 2007 gelangen ihm in der Schweiz und in Deutschland 27 Charthits.

 

Army of Lovers - Ride the Bullet (1992), 119 BPM

Youtube Video, Modjo - Army of Lovers - Ride the Bullet

Die schwedische Band „Army of Lovers“ machte sich nicht nur mit ihren Hits einen Namen, sondern auch mit ihrem schrillen Aussehen. In Bühnenshows und Musikvideos trugen die Musiker bunte Kostüme, die du eher beim Karneval erwartest. Das Ganze garniert die Gruppe mit Liedern voller sexueller Andeutungen.

„Ride the Bullet“ kletterte zwar nicht in die Spitzenpositionen der europäischen Charts, doch in Österreich, Finnland und Griechenland erreichte er immerhin die Top 10. In den deutschen Single-Charts kam er Platz 22.

 

Captain Hollywood Project - More and more (1992), 126 BPM

Anfang der 1980er Jahre war Tony Dawson-Harrison Soldat bei der US-Armee in Deutschland. Seine wahre Leidenschaft war jedoch nicht das Militär, sondern der Streetdance (improvisierter Tanz auf der Straße) mit seinen akrobatischen Tanzbewegungen. Zuerst unterhielt er seine Kameraden auf der Basis mit seinen Tanzkünsten, dann zeigte er sie dem deutschen Publikum.

1983 tanzte er in der Fernsehsendung „Formel eins“ Breakdance zu „Pack Jam“, der Erkennungsmelodie der TV-Show. Anfang der 1990er Jahre stieg er in die Musikproduktion ein und schuf den Song „More and More“.

Sängerin Nina Gerhard sang mit ihrer gefühlvollen Stimme den Refrain und Harrison übernahm mit seiner tiefen Stimme den Sprechgesang. Die Musikliebhaber waren begeistert. Das Lied wurde ein internationaler Hit, der in den deutschen Single-Charts sogar Platz eins der Charts erreichte.

 

Dr. Alban - It's My Life (1992), 129 BPM

Der Künstler mit dem Doktortitel zählt zu den bekanntesten Musikern der Eurodance-Szene der 90er Jahre. Als junger Mann zog der Nigerianer nach Stockholm, um Zahnmedizin zu studieren. Um sein Studium zu finanzieren, arbeitete er als DJ in einem Club. Als DJ wurde er schnell bekannt, weil er die aufgelegte Musik mit seinem Sprechgesang begleitete.

1990 entdeckte ihn Produzent Denniz PoP und nahm ihn unter Vertrag. Alban begann eine Karriere als Musiker, wobei er seine Zahnarztpraxis weiterführte.

Gleich die erste Single "Hello Afrika" wurde ein Riesenhit in den deutschen und österreichischen Charts. Mit "It's My Life" übertraf er den ersten Erfolg und errang Spitzenpositionen in den europäischen Hitparaden.

 

Twenty 4 Seven - Slave To The Music (1993), 131 BPM

Der niederländische Produzent Ruud van Rijen und der amerikanische Rapper und Produzent Tony Dawson-Harrison (Künstlername: Captain Hollywood) gründeten 1989 die Formation Twenty 4 Seven. Harrison verließ später die Gruppe, um sein Musikprojekt Captain Hollywood Project voranzubringen.

Als Ersatz für ihn kam 1993 der niederländische Rapper Stacey Seedorf (Stay-C) hinzu. Die Kombination aus männlichem Rap und der weiblichen Gesangsstimme kam beim Publikum gut an. Der Song "Slave To the Music" und weitere wie "Is It Love" oder "Take Me Away" stürmten in die Spitze der europäischen Charts.

 

Urban Cookie Collective - The Key the Secret (1993), 130 BPM

Youtube Video, Urban Cookie Collective - The Key the Secret

Urban Cookie Collective ist eine britische Band, die sich vornehmlich den Musikrichtungen House und Eurodance widmet. Bandmitglied Rohan Heath schrieb und produzierte die ersten Hits wie "The Key the Secret" und "Feels Like Heaven". Heath hatte "The Key the Secret" zunächst als eine Soul-Version komponiert. 1993 machte er daraus einen clubtauglichen Remix, den die britische Sängerin Diane Charlemagne sang. Der Titel erreichte europaweit die Top 5 der Hitparaden.

 

Culture Beat - Mr. Vain (1993), 133 BPM

Der deutsche Musikproduzent Torsten Fenslau schuf 1989 das Dance-Projekt Culture Beat. Besonders erfolgreich war die Gruppe, als Sängerin Tania Evans und Rapper Jay Supreme als Künstler dabei waren. Das Lied mit der eingängigen Keyboard-Melodie hatte weltweit großen Erfolg und eroberte in vielen Ländern Platz eins der Hitparaden. Hinzu kamen in mehreren Ländern zahlreiche Auszeichnungen mit Gold, unter anderem in Deutschland und den USA.

 

La Bouche - Be My Lover (1995), 135 BPM

Der amerikanische Rapper Lane McCray und die Sängerin Melanie Thornton waren Anfang der 90er Mitglieder der Band „Groovin' Affairs“. Der deutsche Musikproduzent Frank Farian entdeckte beide für ein Eurodance-Projekt, das sich „La Bouche“ nannte. McCray und Thornton schrieben gemeinsam "Be My Lover".

Der energiegeladene Song mit Melanie Thorntons gefühlvoller Gesangsstimme wurde ein internationaler Hit. In Deutschland erreichte er Platz eins der Charts. In den amerikanische Billboard Hot 100 und in den Hitparaden weiterer Länder kam er in die Top 10.

 

Eiffel 65 - Blue (Da Ba Dee) (1999), 128 BPM

Die italienische Eurodance-Band Eiffel 65 wurde 1999 mit dem Hit „Blue (Da Ba Dee)“ international bekannt. Keyboarder Maurizio Lobina und DJ Gabry Ponte schufen die Melodie, die Produzent Massimo Gabutti in einen Dance-Song verwandelte. Sänger Jeffrey Jey schrieb einen unsinnigen Text über eine Person, die ihre Umgebung, ihre Mitmenschen und sich selbst in einer blauen Farbe sieht. Eine besondere Aufnahmetechnik des Gesangs unterstrich zusätzlich den realitätsfremden Charakter des Liedes. Blödsinniger Text hin oder her, das Publikum liebte die eingängige Melodie. Der Titel wurde ein Riesenhit. Er kletterte 1999 in 15 Ländern auf Platz eins der Charts. In den deutschen Single-Charts hielt sich Blue (Da Ba Dee) neun Wochen lang auf Platz eins.

 

Prezioso feat. Marvin - Tell Me Why (1999), 132 BPM

Youtube Video, Prezioso feat. Marvin - Tell Me Why

Die italienische Band Prezioso & Marvin, die aus den Brüdern Andrea und Giorgio Prezioso und dem Sänger Alessandro Moschini (Künstlername Marvin) bestand, brachte 1999 „Tell Me Why“ heraus. Hörst du den Titel, dann weckt er Erinnerungen an die frühen 80er Jahre, als Italo-Disco Hits in Mode kamen. Der Dance-Track mit dem verzerrten Gesang und den treibenden Beats fand viele Anhänger.

 

Das Ende des Eurodance

Ab 1997 stand die Beliebtheit des Eurodance unter einem sinkenden Stern. Der Geschmack des Publikums änderte sich. Stattdessen war House-Musik gefragt. In den folgenden Jahrzehnten tauchte das Genre immer wieder mal auf. Denn große Popkünstler wie zum Beispiel Rihanna verwendeten in einigen ihrer Lieder Elemente des Eurodance.

 

Fazit

Eurodance gilt heute neben Techno und House als typische Musik der 90er-Jahre. Denn auf 90er-Partys werden bevorzugt Eurodance-Lieder gespielt.

Zum Schluss der Hinweis auf weiterführende Themen.